Ohne Mit Uns! – Herbst 1989 in der Friedrichstadt

Mo 9.11.
19 Uhr | Volkssolidarität – Schäferstraße 1a | Audio-Collage
20:30 Uhr | Konzertkeller riesa efau | Jazzsession

20 Jahre riesa efau –

MIT-UNS

– 20 Jahre Basisgruppe Friedrichstadt

Anläßlich des 20. Jubiläum der ersten Dresdner Bürgerversammlung des Neuen Forums und der Gründung von riesa efau präsentiert “Ohne Uns!” die Audio-Collage “MIT UNS” am historischen Ort und zur selben Zeit wie 1989. Die Erinnerungen, Geschichten und Anekdoten der ehemaligen Mitglieder der Basisgruppe Friedrichstadt des Neuen Forums werden von Auszügen aus einem Interview mit Bärbel Bohley vom 1.11.1989 ergänzt.

Ab 20.30 Uhr geht es an der Stadtraumprojektion der AG Stadtdokumentation entlang ins riesa efau. Im legendären Konzertkeller wird das zwanzigjährige Jubiläum mit Live-Musik gefeiert. Das Quartett OC/KC mit Oli Napravnik (Tenor Saxophon), Konni Behrendt (Gitarre), Clemens Voyé (Kontrabass, e-bass) und Christian Lampe (Schlagzeug) knüpft mit funkigen Neuarrangements von Jazz-Standards an die Sessions der 1980er und 1990er Jahre an.

Wir danken dem Deutschen Rundfunkarchiv für die Bereitstellung des Interviews mit Bärbel Bohley.


Der Saxophonist Michel Doneda improvisiert im Zellentrakt des ehemaligen Untersuchungsgefängnis der Stasi (Gedenkstätte Bautzner Straße, aufgenommen am 24. Oktober 2009)


Für das Dresdner Stadtmagazin SAX (11/2009, S.30) hat Bernhard Theilmann unsere Ausstellungen gesehen. Der Text enthält allerlei Für und Wider, ist aber, wie bei Publikationen aus Dresden üblich, nicht online. Daher beschränken wir uns auf die Wiedergabe des freundlichen Fazits:

Die Ausstellungen, exzellent aufgebaut, sind nicht nur Dokument, was es im Osten gab; sie breiten auch, wie mit legerer Handbewegung ausgebreitet, ein klein bißchen von dem aus, was es an Klasse in dem kleinen Land hinter der Mauer gab.


‚Bruch-Zonen. Das Prinzip Osten’ präsentiert:
Di 3.11 | 20 Uhr | Konzertkeller des riesa efau
Lesung: Milena Oda – “Der Neinsager”

Nach ´89 war im “Ostblock” wirklich keiner frei, weder in Kopf noch im Herzen. — Der Held der Erzählung “Der Neinsager” verbrachte unschuldig 17 Jahre im Gefängnis. Seine ganze Persönlichkeit wurde auf eine Nummer reduziert, durch die unmenschlichen Verhöre und Lügen verneint. Der Neinsager versucht emotional von seiner verlorenen Vergangenheit Abstand zu nehmen. Kann er das schaffen? Und wie, wenn er die Sprache spricht, die die Verlogenen mit ihm gesprochen haben und die er immer noch hören muss?

milenaoda
Milena Oda, geboren in Jicín (CZ), gehört zu einer jungen tschechischen Literaturszene, die sich immer wieder durch ästhetische Überraschung und Innovation auszeichnet, sich dabei aber stets auch gesellschaftspolitisch einmischt und positioniert. Sie schreibt Prosa, Theaterstücke und Essays, zudem ist sie als Übersetzerin tätig. 2007 war sie nach Klagenfurt zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen, ihr Prosatext ‚Piquadrat’ erschien als bibliophiles Kunstbuch (in Zusammenarbeit mit Andreas Hegewald) beim Verlag Buchenpresse Dresden. Das besondere bei ihr: sie ist eine tschechische deutschsprachige Schriftstellerin, die in Berlin lebt; ihr Schreiben ist von zwei Sprachen und Ländern geprägt.

Ich bewege mich in Mitteleuropa. Da ich ein Auto habe, bin ich schnell da und schnell wieder zurück. Ich habe keine Grenzen mehr im Kopf. Die gab es vielleicht noch vor zehn Jahren, aber die wurden abgeschafft schon bevor die EU da war. Die Bewegung ist für mich ganz natürlich.


Mi 4.11. | 20 Uhr | Prager Spitze | Vortrag

Bildende Kunst und Gegenkultur in Dresden Part II (1971-1990)

Der zweite Vortrag von Paul Kaiser behandelt die facettenreiche Kunstszene in Dresden und thematisiert Künstlergruppen („Lücke“ bis „Gruppe Meyer“), inoffizielle Privatgalerien („Kellergalerie“ bis „fotogen“) sowie wichtige Aktionen („Intermedia I“ bis „Frühlingssalons“).


Sa 7.11. | 16 Uhr | Motorenhalle

Kunstgespräch mit Gwendolin Kremer

Über die Bedeutung der Farbe in frühen Gemälden von Cornelia Schleime, Ralf Kerbach, Reinhard Sandner und Wolfram Adalbert Scheffler.

Künstliche, grellbunte Farbigkeit: die ersten Gemälde des Chemnitzer Malers W.A. Scheffler Anfang der 1980er Jahre wollten Affront und Provokation zugleich sein. Die von Schleime, Kerbach und Sandner verwendete Farbpalette aus dieser Zeit könnte in ihrer Materialität hingegen als ›arte povera‹ durchgehen: Bildträger aus Leinwand, Rupfen und Fließ sowie die verwendeten Malmittel – wie Tusche und Sand bei Schleime – zeugen von den Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Künstlermaterialien in realsozialistischen wie später in kapitalistisch geprägten Verhältnissen. (Text: Gwendolin Kremer)


Sa 7.11. | 20 Uhr | Prager Spitze

Puppenspiele ohne Puppen | Shisa und Lato – Kora Kara

Das Stück “Shisa und Lato” erzählt die märchenhafte Geschichte von der schönen Shisa, dem Helden Lato und dem bösen Krähquepp. “Kora Kara” führt uns auf der Suche nach einer mysteriösen Dame durch die blühende Heimatlandschaft, wo wir den Startschuss in die große Knusperlust hören.

Richaâârd (Richard Mansfeld) agiert gestisch und mimisch vor seinem Publikum. Sabine Grüner begleitet am Cello.

Das ND und die Extreme

Im “Neuen Deutschland” vom Montag beklagt Harald Kretzschmar, dass “konfrontationswütige Bewohner” und “garstiges Gezeter” Dresdner Diskurse in der Kunstszene und anderswo dominieren – holt dann aber selbst zum Rundumschlag aus, von dem auch wir nicht verschont bleiben:

Gar kein Zweifel, erlaubt ist, dass gezeigt und gerühmt werden soll, was aller Ehren wert ist – Widerstand und Verweigerung integrer Einzelkünstler gegen totalitäre Vereinnahmung. Aber kann es das einzig Gültigbleibende sein? Nach dem Motto, wer nicht zum Staatsfeind erklärt und außer Landes gejagt wurde, ist kein wahrer Künstler? Schreibt man so Kunstgeschichte? »Kunst und alternative Kultur vor und nach 89« nennt sich das diffus.

Da wird auf Teufel komm raus ausgegrenzt, was das Zeug hält. Da hat nie einer auf der Großkundgebung im November 89 den Redekommentar zu seinen längst wirksamen Bildern geliefert. Wer außerhalb des inneren Zirkels Auserwählter sich kontrovers verhielt, zählt nicht mehr. Wer keine einschlägige Aktenlage nachweist, ist out. In Wahrheit lautet die Devise dieser Ausstellung »OHNE EUCH!« Souverän erkundetes breites Spektrum künstlerischer Leistungen? Fehlanzeige.

Der Kurator und riesa efau-Geschäftsführer Frank Eckhardt hat auf diesen Artikel in einem Leserbrief geantwortet, den wir hier in voller Länge abdrucken:

Auf dem journalistischen Hund geblieben oder erst darauf gekommen?

Mit Freude lese ich, dass die Ausstellung OHNE UNS! auch dem ND einige Zeilen wert ist. Nach der alten Journalistenweisheit sind bad news ja good news. Soll ich mich nun also darüber freuen, dass die Leser/innen überhaupt von der Existenz der Ausstellung erfahren oder darüber ärgern, dass auch hier und jetzt noch Leser/innen des ND regelrecht falsch informiert werden? Gerade im thematischen Kontext dieser Ausstellung ruft dieser letztere Punkt bei mir ein eigenartiges, aber im Rückblick nicht ganz unvertrautes Gefühl hervor.
Dass der Autor es offenbar nicht einmal für nötig befunden hat, auch nur einen der Ausstellungsorte persönlich aufzusuchen, spricht nicht gerade für ein qualitätvolles Feuilleton. Vielleicht sollte man künftig den Ausstellungsbesuch zur Schreib-Bedingung machen?

Hier also einige Fakten. Continue reading “Das ND und die Extreme”

Ohne Uns! im Kulturpalast

In der letzten Woche haben wir im Kulturpalast einen kleinen Appetithappen für das Projekt platziert. Ursprünglich war der Kulturpalast als Ausstellungsort vorgesehen; leider haben Brandschutzauflagen trotz des Engagements der dortigen Mitarbeiter einen größeren Auftritt verhindert. Im Foyer des Festsaals in der 2. Etage werden jetzt – in Zusammenarbeit mit Knopek & Clauß – vier Porträtbilder als Reproduktionen gezeigt, die natürlich nur einen groben Querschnitt durch das Spektrum des Gesamt-Projekts repräsentieren können. Zu sehen sind die Arbeiten während der Öffnungszeiten – i.e. vor und nach Veranstaltungen im Festsaal.

4.GrafElse Gabriel6.PenckMicha Brendel
Von links nach rechts: ein Werk von Peter Graf, ein Performancefoto von Else Gabriel, ein Selbstporträt von A.R.Penck aus den späten 1960er Jahren und eine Arbeit von Michael Brendel


Do 29.10. | 20 Uhr | Prager Spitze | Vortrag

Bildende Kunst und Gegenkultur in Dresden Part I (1950-1970)

“Ohne Uns!”-Kurator Paul Kaiser berichtet über die Frühzeit der Dresdner Gegenkultur, die geprägt war von bildungsbürgerlichen Kunstenklaven sowie riskanten Formen künstlerischer Selbstorganisation. (Fortsetzung am 5.11., Prager Spitze)


Am Samstag (31.10.) findet um 16 Uhr eine weitere Kuratorenführung statt, diesmal moderiert von Frank Eckhardt.

Do 22.10. | 20 Uhr | Prager Spitze | Kunst bleibt Kunst – Gesprächsabend

Ralf Kerbach – heute als Professor für Malerei und bildnerisches Gestalten sowie Bildforschung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden tätig – spricht mit Gwendolin Kremer über die prägende Zeit der Ausbildung in Dresden in den 1970er Jahren, die Erfahrung der Ausreise nach West-Berlin 1982 und seine Rückkehr an die HfBK Dresden zehn Jahre später.

Einführung: Paul Kaiser (Kurator)

Ralf Kerbach - Dresdner Freunde (1984)
Ralf Kerbach - Dresdner Freunde (1984)

‚Es gehört zu den großen Missverständnissen dieser Zeit, dass Kunst in eine Ost- und Westkunst aufgespalten wird, genauso gut könnte eine Nord- gegen eine Südkunst aufgestellt werden. Zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Öffnung des Eisernen Vorhangs gehört diese Betrachtungsweise in die Mottenkiste.’
(Ralf Kerbach, in: Kunst + Kultur, Mai 2009)


Sa 24.10. | 20 Uhr | Gedenkstätte Bautzner Straße | FREIGANG |

Das von der Tänzerin Fine Kwiatkowski und dem Musiker Willehad Grafenhorst gegründete Projekt cri du coeur präsentiert im ehemaligen Stasigefängnis eine multimediale Performance. Der Zellentrakt der heutigen Gedenkstätte bildet den räumlichen Ausgangspunkt für die künstlerische Auseinandersetzung mit der Hybris einer paranoiden Elite.

cri du coeur gezeichnet (Foto: Jan Bauer)
cri du coeur - gezeichnet (Foto: Jan Bauer)

Michel Doneda – Saxophone
Lothar Fiedler – Gitarre, Elektronik
Willehad Grafenhorst – Kontrabass-Balalaika, Elektronik, Video, Programmierung
Fine Kwiatkowski – Tanz, Video
Ina Kwiatkowski – Stimme
Heiner Reinhardt – Bassklarinette
Gottfried Röszler – Schlagwerk
Christoph Winckel – Kontrabass

Idee und Konzept – cri du coeur

Eintritt: 5 Euro – Ticket gilt auch für den Besuch der Ausstellungen in Prager Spitze und Motorenhalle


Diese Woche gibt es gleich zwei Kuratorenführungen: zunächst eine Sonderführung mit Frank Eckhardt am heutigen Dienstag um 16 Uhr im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis an der Bautzner Straße; am Samstag erwartet Paul Kaiser Sie dann ebenfalls um 16 Uhr zum Rundgang in der Prager Spitze. Anschließend gibt es Gelegenheit zur Diskussion der Ausstellung.

Do 15.10. | 20 Uhr | Prager Spitze

Susanne Altmann im Gespräch mit Christine Schlegel und Else Gabriel

Christine Schlegel (*1950) und Else Gabriel (*1962) gehören zu jenen Künstlerinnen, die die subversive Avantgarde in Dresden in den 80er Jahren maßgeblich geprägt haben. Beide studierten zu unterschiedlichen Zeiten an der Hochschule für Bildende Künste und brachen mit experimentellen, spektakulären Filmen und Performances den verhärteten Kunstkanon jener Zeit auf. Darüberhinaus entwarfen sie ein Frauenbild, das mit verordneten Rollenklischees aufräumte und getrost als feministisch bezeichnet werden darf, ganz gleich, ob es absichtsvoll (Schlegel) oder eher intuitiv (Gabriel) entstand.

Im Austausch mit der Kunsthistorikerin Susanne Altmann reflektieren sie ihre damalige Haltung, die Entwicklung einer weiblichen Bildsprache in der späten DDR und ihren Status in einer überwiegend von Männern dominierten Kunstszene. Der Gesprächsabend wird von Filmfragmenten aus Schlegels kreativen Kooperationen mit der Tänzerin Fine Kwiatkowski und aus Else Gabriels Aktionen im Kreise der Autoperforationsartisten flankiert.

Text: Susanne Altmann


Sa 17.10. | 16 Uhr | Motorenhalle

Kunstgespräch mit Gwendolin Kremer

Der Nukleus der Ausstellungskonzeption in der Motorenhalle rekurriert auf eine 1986 im West-Berliner »Haus am Waldsee« gezeigte Schau mit dem Titel »Malstrom«, die Arbeiten der ausgereisten Künstler Kerbach, Leiberg, Schleime, Scheib und Stangl vereinte und sie erstmals im Westen einem größeren Publikum zugänglich machte. Die »Malstrom«-Künstler fanden sich bereits in den 1970er Jahren in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste zusammen. Im Fokus des Kunstgesprächs stehen die in den frühen 1980er Jahren im Westen entstandenen Arbeiten dieser Maler, die alle noch einen direkten bzw. indirekten Bezug zur DDR aufweisen.

Text: Gwendolin Kremer


Noch ein Hinweis zur Vertiefung und Ergänzung der Ausstellung in der Motorenhalle: In der Sächsischen Akademie der Künste werden seit 13.10. Werke einer Sammlung alternativer DDR-Kunst von Gerhard Wolf unter dem Titel “Im Malstrom subversiver Bilder” gezeigt. Besucher unserer Ausstellung dürften den einen oder anderen Namen unter den beteiligten Künstlern wiedererkennen. Näheres bei Die Neustadt und stefanolix


Das Begleitbuch zum Projekt kann jetzt auch – zuzüglich Versandkosten – per E-Mail direkt beim riesa efau bestellt werden. Weitere Informationen

Filmprogramm – Jürgen Böttchers Dresden-Filme

Mi 14.10. | 20 Uhr | Motorenhalle

Große Filme der DEFA? Gelungene Filmkunstexperimente unterm verhangenen Kinohimmel des sozialistisch-realistischen Sparprogramms? – Ja, so kann man sie sehen, die „kleinen“ Filmarbeiten des Jürgen Böttcher. Gedacht waren sie als Vorfilme, als Beiwerk fürs „große“ Kino. Mit einer Mischung aus subversivem Stachel und heiligem Ernst hat sie der Regisseur einst realisiert (und dabei ein paar Verbote einkassiert). Tja und heute: Retrospektiven allerorten. Verehrung für den maitre. Europaweit. Drei Filme des enfant terrible Jürgen Böttcher, allesamt in Dresden zwischen 1961 und 1985 entstanden.

Die Filme:

Drei von vielen – 1961 (32 min)

Drei Freunde, drei junge Arbeiter, die bei Böttcher in Dresden Kunstunterricht nehmen, werden porträtiert. Nach der wegweisenden Bitterfelder Konferenz: ein Trio mit Schauwert für den Arbeiter- und Bauernstaat. Eigentlich. Doch etwas stört die Genossen.

Rangierer – 1984 (21 min)

Ein Bild/Klang-Kunstwerk, aus der Choreografie eines sozialistischen Arbeitstags herausgeschält. Monumental, zyklisch, Sisyphos im Gleisbett.

Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner – 1985 (32 min)

Ein Besuch unter Kollegen: Der Maler hinter der Kamera zu Gast bei dem 96jährigen Künstler und Konstruktivisten Hermann Glöckner.

(Text: Nils Werner, ausführliche Vorschau hier)


Kulturtipp beim Deutschlandradio (mp3, 2 MB)

Die 4 Orte Ausstellung ist seit gestern abend komplett – das bisher fehlende Puzzlestück im Lichthof des Rathauses kann ab sofort an Wochentagen von 9-18 Uhr kostenlos besichtigt werden. Ebenfalls noch gefehlt hat die stark nachgefragte Künstlerliste für die Ausstellungen – bitte sehr.

Noch ein Blick zurück auf Detlef Schweigers Installation “Wendebahnhof” gestern abend –

Wendebhf Bildermann 2Ohne Uns! Projekt riesa efau

– ein paar Eindrücke finden sich auch beim Dresdner Blechblog, die Kurzversion ist heute abend ab 21:50 Uhr noch einmal auf der großen Bühne der Prager Straße zu sehen – und dann geht’s schon weiter mit der ersten Führung durch die Weiten der Ausstellungsräume in der Prager Spitze, wieder am Sonnabend um 16 Uhr. Begleiten wird Sie dort der Kurator Paul Kaiser himself.


Beim nächsten Führungstermin in der kommenden Woche berichtet dann Gwendolin Kremer in der Motorenhalle über die Situation einiger Dresdner Künstler nach ihrer Ausreise über Westberlin in den frühen 1980er Jahren. Außerdem warten ein Abend mit den Dresden-Filmen von Jürgen Böttcher (Mittwoch, 14.10., Motorenhalle) und ein Gespräch über feministische Positionen in der alternativen Dresdner Kunst der 1980er mit Christine Schlegel und Else Gabriel (Donnerstag, 15.10., Prager Spitze) auf neugierige Besucher.

Foto: bildermann.de

7. Oktober

18 Uhr | Lichthof Rathaus

Ausstellungseröffnung

Gezeigt wird eine Informations-Installation über die Rahmenbedingungen der künstlerischen Alternativkultur in Dresden. Der Ausstellungsteil komplettiert die künstlerischen Positionen mit Fotos, Archivalien und bislang noch nie gezeigten Dokumenten aus Dresdner Privatarchiven.

Sprecher
Hartmut Vorjohann – Beigeordneter für Finanzen und Liegenschaften der Stadt Dresden
Prof. Karl-Siegbert Rehberg – TU Dresden
Paul Kaiser – Kurator “Ohne Uns!”

19:30 Uhr | Hauptbahnhof

wendebahnhof
Open-Air-Projektion an die Außenwand des Dresdner Hauptbahnhofs

Video-Lichtgrafik-Klang-Installation
von Detlef Schweiger mit Hillumination (Andrea Hilger) und ARTISAR (Eric Balog Heyde)
19.30 bis 22 Uhr (bei Regen von 19.30 bis 20.30 Uhr)

wendebahnhof 1

Die Collage basiert auf Film- und Tonaufnahmen, welche die Stasi während der Proteste am Dresdner Hauptbahnhof und den Demonstrationen in der Stadt im Oktober 1989 selbst aufgenommen hatte. Nun generiert das wegen seiner Qualität kaum dokumentarisch verwertbare Material in der Hand von Licht- und Klangmalern ein informelles Historienbild. Die Erinnerung kehrt in sinnbildlicher Unschärferelation genau auf die Kulisse zurück, vor der die Wende in Dresden ihren Anlauf nahm.

8. Oktober | 21.50 Uhr | Hauptbühne Prager Straße

(im Rahmen der zentralen Jubiläumsfeierlichkeiten “Dresden ‘89 – Aufbruch zur Demokratie”)
20 minütige Kurzversion der Installation “wendebahnhof”


Noch ein zum “wendebahnhof” passender Hinweis: Im Café der Ausstellungsräume der Prager Spitze wird bis Mittwoch täglich ab 19 Uhr ein nie gesendetes Interview aufgeführt, dass Silke Hasselmann (damals Jugendradio DT64) anläßlich der Unruhen Anfang Oktober 1989 mit beteiligten Polizisten geführt hat. (Über Kopfhörer kann das Interview noch bis zum Ausstellungsende angehört werden.)

Neues aus der Motorenhalle

Zunächst eine Durchsage:

— SONDERÖFFNUNG —

Am Samstag (3.Oktober) haben unsere Ausstellungen – entgegen der Angaben in einigen Publikationen und unserem Flyer – wie gewohnt geöffnet.


Im Ausstellungsteil der Webseite findet sich ab sofort ein kleiner Überblick der in der Motorenhalle gezeigten Werke, moderiert von der Kunsthistorikern und Co-Kuratorin Gwendolin Kremer –
Teil 1
Teil 2
– der schon mal einen kleinen Vorgeschmack gibt auf das anstehende Führungsprogramm (immer samstags um 16 Uhr). Die erste Führung mit Kunstgespräch übernimmt Gwendolin Kremer am 3. Oktober:

Im Dresden der 1970er lernten sich die Maler Kerbach, Leiberg, Schleime, Stangl, Sandner und Fleischer im Umfeld der Hochschule für Bildende Künste Dresden kennen. Wie die Generation der zwischen 1950 und 1956 geborenen Künstler zu den Bild-(er)findungen ihrer Arbeiten fand und was sie von den Künstlergenerationen davor und danach unterscheidet, wird in diesem Kunstgespräch an einzelnen Werken exemplarisch herausgearbeitet.

Im Anschluß ist ein gemeinsamer Besuch der Ausstellung in der Prager Spitze möglich.


Das Begleitbuch zum Projekt hat eine eigene Seite bekommen – hier entlang bitte.


Das Begleitprogramm startete gestern mit einem unerwartet fulminanten Besucheransturm auf den von Nils Werner und Katharina Herrmann organisierten HFF-Studentenfilmabend, der das riesa-Team dazu zwang, noch aus den abgelegensten Räumlichkeiten des Vereins zusätzliche Stühle heranzuschaffen. Zum Glück war das liebe Publikum sehr geduldig mit uns und unseren organisatorischen Improvisationen und konnte nach leichten Verzögerungen u.a. Hannes Schönemanns nüchtern-gelassenen Erzählungen über die Entstehung seines Films und das anschließende jähe Ende seiner DDR-Filmkarriere lauschen. Vielen Dank für das Interesse, hoffentlich sehen wir uns schon beim Jürgen-Böttcher-Abend in zwei Wochen wieder.

Filmabend 1Filmabend 2
Nils Werner und Hannes Schönemann im Gespräch